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Weißer Kranich

 

Wie allgemein bekannt basiert das Shaolin Quan fa (Kung Fu) auf der Interpretation der Kampfweise von Tieren, teilweise bis hin zu den typischen Verhaltensweisen betreffend der Gestik und Laute. Bestes Beispiel hierfür ist der Stil des Affen.
Im Tigerstil hingegen  ist dies weniger stark ausgeprägt. Über die Ursprünge des Kranichstils existieren mehrere Geschichten, zumal
es auch noch verschiedene Schulen des Kranichs gibt.

Wie die Schule des:

Kranichs
Weißen Kranichs
Südlichen Weißen Kranichs
und drei Schulen des
Tibetanischen Kranichs

Und zudem innerhalb dieser Schulen noch weitere Unterteilungen wie z. B. die Schule des Weißen Kranichs auf Nahrungssuche.

Die verbreitetste Überlieferung ist, das die Tochter eines Kampfkunstmeisters durch das Beobachten von Kranichen beim Kampf zur Entwicklung des Kranich-Stils inspiriert wurde.
Und tatsächlich benötigt der Kranich-Stil keine kräftige Statur, oder körperliche Stärke. Schnelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit der Fußarbeit und die besondere Biomechanik der Handtechniken sind die Eigenheiten des Kranich-Stils.  Dabei ist diese Technik keineswegs einfach zu lernen.  Die Arme müssen sozusagen zu Flügeln werden, was eine besondere Kontrolle des Ellenbogengelenks erfordert.  Nicht nur die Schwierigkeiten der Technik, die vom normalen Verständnis von Schlagen und Stoßen völlig abweichen, sondern auch die ihr eigene Gefährlichkeit sorgten dafür das die Techniken des Kranichs nur an wenige auserwählte Schüler weitergegeben wurden. Auch heute noch werden die Kata der Kranich-Schule weitgehend geheim gehalten.  Auf Video veröffentlichte Kata-Versionen sind dabei mit Vorsicht zu betrachten.
Hier stellt sich die Frage ob die Kata wirklich auf fortgeschrittenem Niveau dargestellt wird.  Auch können verschiedene Kranich-Kata als Grundschule (also eine Art Heian-Kata) zur Einführung in den Kranich-Stil angesehen werden.
Aus diesem Grund ist es äußerst schwierig diesen Stil zu lernen. Wenn auch verschiedene Kata in den heutigen Karate-Stilen als Kranich-Kata gelten (Gankaku), werden sie doch keineswegs mit den Kranich-typischen Techniken ausgeführt.
Und meiner Meinung nach ist diese Abänderung der Kata mit Absicht geschehen, da die wahren Kranich-Techniken für die allgemeine Verbreitung als zu gefährlich eingestuft wurden.
Dabei sind die ursprünglichen, höheren Kranich-Kata an Schönheit, Eleganz, Dynamik und vor allem Mystik nicht zu überbieten. Gleichwohl aber schwer als offizieller Bestandteil des Karate zu erkennen.

Als Kata des Kranich-Stils gelten

Shinpa
Nipaipo
Happoren
Hakkaku
Hakucho
Haufa
Hakutsuru no Kunemura 

Hakutsuru Dai
Hakutsuru Sho
Hakutsuru Chu
Kojo no Hakutsuru Sho
Kojo no Hakutsuru Dai
Ton Hakutsuru
So Hakutsuru
Matsumura no Hakutsuru

Paiho 

Von Hakutsuru existieren viele unterschiedliche Versionen je nach Schule und Meister. Als älteste Form ist die Kata Hakutsuru no Kunemura bekannt.  Weitere Formen existieren sowohl im Shorei als auch im Shorin-Ryu. Das Goju-Ryu aus Naha kennt sie ebenso wie die Matsumura-Schule in Shuri.  In diesem Sinne ist sie die am weitesten verbreitete (bei den Meistern) und doch am wenigsten bekannte (bei den Schülern) Kata!

 

(c) H.Haß 2001